Neue Möglichkeiten für die Atommüllentsorgung

Die Transmutation von Atommüll, also das Umwandeln der gefährlichen radioaktiven Stoffe, die darin enthalten sind, war schon vor Jahren ein heiß diskutiertes Thema in Wissenschaft und Technik. Doch damals hieß es nur, dass dieses Verfahren viel zu teuer und aufwändig sei. Fortan sprach man auch nicht mehr darüber. Doch den Wissenschaftlern ging das Problem nicht aus dem Kopf, seit mehr als 15 Jahren forscht man nach Möglichkeiten, wie man Atommüll besser entsorgen könnte.

 

Die derzeitige Lage

 

Derzeit werden die radioaktiven Stoffe in stillgelegten Minenschächten untergebracht. Dabei ist aber trotz allem unklar, ob eine Strahlung nicht dennoch vorhanden ist, wenn auch in gemildertem Maße.  Da die radioaktiven Stoffe, wie Plutonium, eine extrem lange Halbwertzeit aufweisen, müsste der Atommüll auch bis lange in die Zukunft hinein zwischen gelagert werden. Die Halbwertzeit von Plutonium-239 beispielsweise beträgt 24.000 Jahre. Mit einer Lagerung des Atommülls, wie es derzeit der Fall ist, wird das Problem also nicht gelöst, sondern nur an unsere Nachfahren weiter gegeben.

 

Neues Verfahren entwickelt

 

Das haben auch die Forscher erkannt und seit Jahren schon an alternativen Lösungen geforscht. Jetzt ist es soweit, in einer Pilotanlage in Mol in Belgien soll gezeigt werden, dass die Transmutation von Atommüll wirtschaftlich arbeiten kann. Die Anlage wird derzeit gebaut, die Bauzeit wird mit zehn Jahren beziffert. Die Kosten werden sich vermutlich auf eine Milliarde Euro belaufen, doch damit könnte das Problem des Atommülls tatsächlich gelöst werden.

 

Nach der neuen Technologie geht es vorwiegend um die Stoffe Plutonium, Americium, Curium und Neptunium, die im Atommüll enthalten sind. Sie entstehen erst im Reaktor und werden unter dem Begriff Transurane zusammen gefasst. Bei abgebrannten Brennelementen machen diese Stoffe ein Prozent der Masse aus, dennoch sind sie höchst gefährlich. Schon ein paar Millionstel Gramm, die in die Lunge gelangen, können beispielsweise Krebs verursachen.

 

Nun ist es den Forschern in Laborversuchen bereits gelungen, diese Stoffe zu risikoärmeren Stoffen umzuwandeln. Dafür werden die gefährlichen radioaktiven Stoffe zunächst vom Atommüll getrennt. Anschließend gelangen sie in eine spezielle Anlage, wo sie mit Neutronen beschossen werden. Das gefährliche Plutonium-239 wird durch diesen Beschuss beispielsweise in die Stoffe Caesium-134 und Ruthenium-104 zerlegt. Letzteres ist überhaupt nicht radioaktiv und ersteres hat eine Halbwertzeit von gerade einmal zwei Jahren im Gegensatz zu 24.000 Jahren. Bei diesem Verfahren wird außerdem sehr viel Wärme freigesetzt, sie könnte im Reaktor genutzt werden, um Strom zu erzeugen.

 

Ziele der Transmutation

 

Die ambitionierten Forscher sehen es als Ziel an, mit der neuen Technologie gut 99,99 Prozent aller im Atommüll enthaltenen Transurane umzuwandeln. Dadurch soll der Atommüll nicht mehr Tausende von Jahren zwischengelagert werden müssen, sondern die Halbwertzeit könnte sich insgesamt deutlich verringern. Eine Lagerung wäre nur noch über etwa 500 Jahre nötig.

 

Allerdings ist die Transmutation bisher nur unter Laborbedingungen geglückt. Ob dies auch im realen Einsatz möglich wird, bleibt erst noch abzuwarten. Ebenfalls müssen zunächst einige Millionen oder Milliarden Euro investiert werden, um eine solche Form der Atommüllentsorgung zu realisieren. Inwieweit dies gelingen wird, steht bis dato ebenfalls noch in den Sternen, so dass eine endgültige Lösung für Atommüll weiterhin erst in der Zukunft zu erwarten sein dürfte.

 

Hinterlasse eine Antwort